Veranstaltung JI-Wien

26.04.2016

„Grundlagenforschung ist Glücksspiel!“ – Industry.Talk mit Prof. Dr. Anton Zeilinger

Rund 20 Mitglieder der Jungen Industrie hatten die Möglichkeit mit dem als Nobelpreis-Kandidaten gehandelten Quantenphysiker Anton Zeilinger über MINT-Fächer, den Wissenschaftsstandort Österreich und Forschung zu diskutieren.

Vorstandsmitglied Valerie Szczepanski mit Prof. Dr. Anton Zeilinger

Als Präsident der Akademie der Wissenschaften, würde sich Prof. Zeilinger wünschen, dass mehr in die Grundlagenforschung investiert werde. Schon allein 5-10 Prozent mehr Investitionen hätten einen ordentlichen Einfluss auf die Forschungsszene und würden erhebliche Verbesserungen zulassen. Mehr halte er nicht für sinnvoll, denn das wäre für Forschungsinstitute auch gar nicht verkraftbar. Auch die Unternehmen nimmt er in den Appell, da gerade im Vergleich zu den USA und dem Silicon Valley heimische Unternehmen sich bei Investitionen in Forschung noch sehr zurückhalten. Vor allem bei der Umsetzung von Forschung wäre seitens Wirtschaft und Industrie Aufholbedarf. Dabei sei der der Wissenschaftsstandort Europa international sehr angesehen, da Kreativität und Originalität gefördert werden, anstatt sie in schon im Schulwesen zu ersticken. Köpfe seien eben wichtiger als Patente, meint Prof. Zeilinger in diesem Zusammenhang. 

Während des Gesprächs stellt Professor Zeilinger fest, dass Menschen nicht motiviert werden könnten, sondern nur demotiviert. Dies sei insofern interessant, da Jugendliche bis zur Pubertät die gleichen Interessen hätten und geschlechtsunabhängig offen und begeisterungsfähig für MINT-Fächer seien. Mädchen werden jedoch vielfach in andere Richtungen gedrängt und oft fehle es auch einfach an den Role-models für junge Frauen im MINT-Bereich, weshalb hier viel Potential verloren gehe. In der von Prof. Zeilinger gegründeten Internationalen Akademie Traunkirchen ist es deshalb auch Ziel junge Menschen für Wissenschaft und Forschung zu begeistern und ihren Begabungen zu fördern.

Anton Zeilinger selbst habe schon als Kind eine Begeisterung und Interesse für Naturwissenschaften entdecken können, denn wenn man Physik einmal verstanden hätte, brauche man nie mehr lernen. So war auch Prof. Zeilinger kein guter Schüler, da er für Schularbeiten nicht lernen, sich aber während der Arbeiten erst mathematische Formeln und Gesetze herleiten musste.

Als Pionier in der Teleportation von Teilchen erklärte Prof. Zeilinger den JI-Mitgliedern auch das Prinzip des „Beamens“. Dass es in naher Zukunft oder überhaupt je absehbar möglich sein wird Menschen zu beamen, bezweifelt er eher. Auf die Frage nach der bedeutendsten Entdeckung, die in den nächsten 20 Jahren auf uns zukommen würde, erklärte Professor Zeilinger, dass sich Forschung wie eine Lotterie verhalte – umso mehr man in Forschung investiere, umso eher könne man durch Zufall bahnbrechende Entdeckungen machen, denn Grundlagenforschung verhalte sich einfach wie Glücksspiel.