Veranstaltung JI-Tirol

30.10.2015

JI-Studienreise Tschechien/Oberösterreich

Die 28. Studienreise führte die Junge Industrie vom 25. bis 27. Oktober 2015 nach Tschechien und Oberösterreich.

Die Junge Industrie bei KTM

Am Sonntag Früh geht es zunächst von Innsbruck über München und Regensburg bis nach Pilsen. Schneller Check-in, ein wenig frisch machen und los geht’s zu einem ad hoc Stadtrundgang. Pilsen ist mit rund 168.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Tschechiens und vor allem für einen Exportschlager bekannt: SKODA!

Natürlich! In Pilsen gibt es auch Bier. Die riesige Brauerei streifen wir nur und bemerken, dass zahlreiche Besucher zu Führungen ins Sudhaus strömen. Wir diesmal nicht, denn um 17.30 Uhr treffen wir uns beim Urquell-Pilsner-Brauerei-Museum, um die Geschichte der Braukunst in der Region um Pilsen kennen zu lernen. Das deftige Abendessen im nur wenige Schritte entfernten Restaurant Na Parkanu bietet schließlich zum Ausklang des Tages Gelegenheit, das hiesige Bier auch zu verkosten.

Am Montag – in der Heimat der Nationalfeiertag – wird in Tschechien natürlich ganz normal gearbeitet. Diesen Umstand nutzen die Reiseteilnehmer für Betriebsbesuche bei Euro Teplo und Motor Jikov. Am Vormittag steht Euro Teplo auf dem Plan, ein Ofenbauer, der mit 100 Mitarbeitern vorwiegend Warmluft-, Kamin- und Kachelöfen produziert.

Derzeitiger Hit ist Bruno, ein Warmluftofen, der mit seinen nach oben gebogenen Metallröhren aussieht wie ein V8-Motor fürs Wohnzimmer. Neben dem Unternehmenseigner Jaroslav Hinterholzinger steht vor allem der Verkaufsleiter Lukáš Dvořák Rede und Antwort. Vom Zuschnitt der Metallteile, dem Biegen der zahlreichen Rohre und Verkleidungsteile bis hin zum Zusammenbau der für den Transport notwendigen Holzpaletten machen sie so gut wie alles selbst. Im laufenden Jahr sollen insgesamt rund 5.000 Öfen gefertigt werden, wobei ein Gutteil davon nach Deutschland verkauft wird. Der Heimmarkt spielt eine gewisse Rolle und neben Griechenland, Italien und Portugal wird auch der übrige mittel- und nordeuropäische Markt zunehmend interessanter für sie.

Rund 140 Kilometer entfernt liegt Budweis. Dort wollen wir hin, ganz konkret zur Motor Jikov Group. Der Generaldirektor heißt uns direkt am Eingang willkommen und führt uns in einen Besprechungsraum des Verwaltungsgebäudes. Er wird zunächst sein Unternehmen vorstellen und im Anschluss daran mit uns einen Rundgang durch einen Teil der sehr weitläufigen Produktion unternehmen.

In der MOTOR JIKOV GROUP sind insgesamt vier Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau und Gießerei zusammengefasst. Das Unternehmen besteht seit 1899 und erwirtschaftet mit rund 800 Mitarbeitern rund 55 Mio. Euro Umsatz. Motor Jikov produziert Alugussteile für die Automobilindustrie (34% für PKW und 17% für LKW), aber auch für anderen Industriebereiche. Neben dem Heimmarkt (über 44%) spielt vor allem Schweden (14%) eine Rolle, was an den dort angesiedelten LKW-Produzenten liegt. Nach Sphäro- und Grauguss sind vor allem hochqualitative Druckgussstücke aus Aluminium und Zink ihre Spezialität. Neben zahllosen Motorteilen werden im Tiefdruckguss aber auch andere Autobauteile hergestellt, wovon sich die JI-Delegation bei ihrem Rundgang später selbst überzeugen kann.

Es dämmert bereits, als die Junge Industrie beim Grandhotel Zvon vorfährt. Beim Gala-Dinner im Haus kann der Österreichische Wirtschaftsdelegierte in Prag, Mag. Christian Miller, begrüßt werden. Nach einem kurzen Überblick über die österreichisch-tschechischen Wirtschaftsverknüpfungen steht er den gesamten Abend Rede und Antwort.

Am Dienstag sitzt die Junge Industrie bereits um 07.00 Uhr im Bus. Drei Stunden Fahrt nach Engelhartszell zur nächsten Station: Faber Castell.

Der Geschäftsführer dieser Produktionsniederlassung ist Kurt Seidl. Er erklärt, wie im hiesigen Werk in zwei Schichten Textmarker produziert werden und worauf es im Detail ankommt, denn Textmarker ist nicht gleich Textmarker. Im Vergleich zu Produkten des Mitbewerbs verfügt der Stöpsel ihres Textmarkers über einen ausgeklügelten Verschluss, der das Austrocknen dauerhaft verhindert. Anhand einer Verschlusskappe eines Flipchart-Markers, der ebenfalls im Haus hergestellt wird, weist er auf mehrere kleine Löcher in der Verschlusskappe hin, die im Falle des Verschluckens ein Ersticken verhindern.

Einen Tiefschlag erlebte das Werk im Juni 2014, als die nahe Donau auf über 8 Meter des normalen Niveaus anstieg und den Großteil der vorhandenen Produktionsanlagen vernichtete. Der Schaden belief sich auf rund 1 Million Euro, doch Dank des unermüdlichen Einsatzes der Mitarbeiter und anderer Helfer konnte der Betrieb bereits nach vier Wochen wieder aufgenommen werden.

Unglaubliche 40 Millionen Textmarker und 250 Tonnen Tinte werden pro Jahr hergestellt. Der in Engelhartszell vom Spritzgussteil weg komplett gefertigte „Textliner 48“ ist der absolute Exportschlager und wird in über 120 Ländern verkauft. Die Tinte wird auch in andere Werke von Faber-Castell zur weiteren Verarbeitung geliefert.

Während die Reiseteilnehmer das Werk besichtigen, bringt der Busfahrer Hannes Krug einen Kessel voll Würstel zum Sieden. Zusammen mit den schon in der Früh gebunkerten gefüllten Baguettes gibt es „lunch on tour“, so dass für den Transfer nach Mattighofen keine Zeit verloren geht.

Pünktlich um 13.30 Uhr sind wir bei der KTM Motorrad AG, allen bekannt als außergewöhnlicher Racing- und Offroad-Spezialist für alles auf zwei Rädern. Auf vier Rädern auch schon ein bisschen, seit KTM 2007 den X-BOW vorgestellt hat. KTM wurde 1934 von Hans Trunkenpolz als Schlosserwerkstätte gegründet. Zunächst spezialisierte man sich auf Verkauf und Reparatur von DKW-Motorrädern, etwas später auf Autos der Marke Opel. Erst nach dem Krieg, konkret 1952, entstand die Idee zum Bau eines eigenen Motorrads, die 1954 tatsächlich aufgenommen wurde. 1964 kam die Fahrradproduktion, 1970 die Mopedproduktion dazu. Motorräder für den Rennsport wurden ebenfalls seit Ende der 50er-Jahre entwickelt.

KTM hat schon alle Höhen und Tiefen unternehmerischer Betätigung durchgemacht. Historischer Tiefpunkt war sicher die Insolvenz im Jahr 1991. Durch die Übernahme der Motorradsparte der damaligen KTM-Gruppe durch DI Stefan Pierer hat aber neuerlich ein großartiger Aufschwung für die Marke KTM und den Standort Mattighofen begonnen, der bis heute ungebrochen anhält. 1992 wurden von der KTM Sportmotorcycle GmbH 190 der damals 360 Mitarbeiter übernommen. KTM engagiert sich seit Jahrzehnten im Rennsport und Namen wie Kinigadner und Moretti werden unmittelbar mit großen österreichischen Erfolgen bei weltweit beachteten Rennen, wie der Rallye Paris Dakar bzw. nun Dakar verbunden.

Heute sind rund 2.200 Mitarbeiter bei KTM beschäftigt. Seit Jahren ist KTM die am schnellsten wachsende Motorradmarke weltweit. Man hat inzwischen die Marke Husqvarna übernommen, kooperiert seit 2007 mit der indischen Bajaj-Gruppe und steckt allein 2015 rund 100 Millionen Euro in den weiteren Ausbau des Unternehmens. Wer vor Ort ist, weiß sofort: Mattighofen müsste eigentlich KTM-City heißen.

Wie erwartet, gibt es Stau an Salzburgs Grenze zu Deutschland. Damit alle später Zugestiegenen zu ihren Autos gelangen, müssen wir aber ohnehin nach Hallein abbiegen. Von dort geht es über Schleichwege zurück auf die deutsche Autobahn und gegen 21.30 Uhr kommt das Stadtschild von Innsbruck in Sicht.

Die 29. Studienreise wird entsprechend des Beschlusses der Reiseteilnehmerinnen und Reiseteilnehmer nach Osttirol/Umgebung führen.