Veranstaltung JI-Niederösterreich/Burgenland

17.05.2017

Bei den Faser-Profis im Burgenland

Betriebsbesichtigung / Mitte Mai machten sich Mitglieder der Jungen Industrie auf nach Heiligenkreuz – zur Lenzing Gruppe, dem Weltmarktführer in der Produktion botanischer Fasern.

Rund 20 Prozent aller holzbasierten Zellulosefasern weltweit kommen aus dem Lenzing Konzern – unter anderem vom Unternehmen Lenzing Fibers GmbH, das in Heiligenkreuz 230 Mitarbeiterinnern und Mitarbeiter beschäftigt. Zum Einsatz kommen die dort erzeugten Fasern zu einem Drittel bei der Produktion von Vliesstoffen (wie zum Beispiel Feuchttüchern) und zu zwei Dritteln in der Textilindustrie. Die Modekette Zara verkauft beispielsweise seit heuer Kleidung aus den neuen Lyocellfasern der Marke RefibraTM. Diese Fasern verwenden neben Holz als Rohstoff Stoffreste, die beim Zuschnitt von Baumwollbekleidung übrig bleiben.

Die Produktion dieser Fasern konnten sich die Mitglieder der Jungen Industrie Niederösterreich/Burgenland, Wien und Steiermark Mitte Mai genauer ansehen. Vor dem Firmenrundgang gab Geschäftsführer Bernd Zauner noch einen Überblick über das Unternehmen und den Zellulosemarkt. „Holzbasierte Fasern decken im Vergleich zu Synthesefasern und Baumwolle nur einen kleinen Teil des Weltmarktes ab – in dieser Nische sind wir jedoch Marktführer, und der Markt wächst überdurchschnittlich“, so Zauner.

Aus diesem Grund wird das Werk in Heiligenkreuz derzeit ausgebaut: 70 Millionen Euro nimmt die Lenzing-Gruppe in die Hand, damit die Faserproduktion künftig von 60.000 Tonnen auf über 80.000 Tonnen pro Jahr steigen kann. „Das Besondere an unserer Produktion ist, dass der Umweltschutz schon im Verfahren inbegriffen ist“, so Zauner. Im Bereich Forschung- und Entwicklung arbeitet der burgenländische Betrieb eng mit der Konzernzentrale in Lenzing zusammen. Und die Digitalisierung spielt über die ganze Produktions- und Lieferkette eine große Rolle: „Sensorik und Prozessleittechnik liefern viele Möglichkeiten für die Vernetzung im Werk“, so Zauner.

Gearbeitet wird bei Lenzing Fibers übrigens rund um die Uhr, und zwar im Fünf-Schicht-Betrieb. Mit 230 Beschäftigten zählt das Unternehmen zu den wichtigsten Arbeitgebern im Burgenland – trotzdem gestaltet sich die Personalsuche aufgrund der schlechten Verkehrsanbindung oft schwierig: „Wir fordern schon lange eine elektrifizierte Zugverbindung auf der Achse nach Szombathely und Győr bis Graz. Auch die S7 muss endlich gebaut werden“, so Zauner. Die Schnellstraße befinde sich seit 30 Jahren in der Planungsphase. Nachdem es im Oktober zunächst grünes Licht für die S7 gab, erfolgte Anfang Mai ein Baustopp aufgrund der Aufhebung zweier Wasserrechtsbescheide.

Seit vielen Jahren ist der Bezirk Jennersdorf von kontinuierlicher Abwanderung betroffen. Aufgrund der speziellen Lage – topografisch gehört das Südburgenland zur Steiermark, politisch jedoch zum Burgenland – werde auf die Region leider oft vergessen, wie Zauner erklärt. Im Industriepark Heiligenkreuz seien jedenfalls noch viele Betriebsflächen zu haben.