Veranstaltung JI-Kärnten

20.09.2016

Zu Besuch im gläsernen Werk Wietersdorf

Die Kärntner JI lud Mitte September den Verband der Wirtschaftsingenieure zu einem Betriebsbesuch ins Zementwerk nach Wietersdorf ein, ein traditionsreiches und in den letzten Jahren stark gefordertes Kärntner Parade-Industrieunternehmen.

Werksleiter Berndt Schaflechner ist durch und durch Realist. Er weiß um die Schwierigkeiten und den Ruf des Standortes, der in den letzten zwei Jahren massiv gelitten hat. Trotzdem freut er sich über jede Gelegenheit, das Thema Blaukalk-Verwertung im Görtschitztal zu versachlichen und auf die Fakten herunter zu brechen. Seine Mitarbeiter und er blicken auf zwei harte Jahre zurück, in denen das Geschehene aufgearbeitet wurde.
„Heute weiß man, dass es sich bei dem, was passiert ist, um ein multiples Versagen gehandelt hat“, so Schaflechner. Auf die Frage, was im Werk heute anders gemacht werden würde, meint er: „Wir würden uns nicht mehr auf externe Analyseergebnisse verlassen, sondern sowie bei allen Stoffen, die wir in Wietersdorf einsetzen, unsere eigenen Analysen durchführen.“
Was passiert sei, hätte nicht passieren dürfen, da gäbe es nichts zu beschönigen. Aufgrund zahlreicher Untersuchungen wisse man heute aber, dass es, und das sei wohl das Wichtigste, keine gesundheitliche Beeinträchtigung gäbe und dass die HCB-Bodenbelastung im Görtschitztal im Vergleich zu Österreich und auch anderen europäischen Ländern unauffällig sei. „HCB ist ubiquitär, kommt also überall vor“, so Schaflechner.
Uneinigkeit gäbe es bei Experten darüber, welche Grenzwerte zu beachten seien. Andere Regionen, wie zum Beispiel Bayern, seien stark HCB-belastet, doch dort gäbe es keine mediale Panikmache oder geschäftstüchtige Rechtsanwälte, die teils abstruse Schadenersatzforderungen konstruieren würden.
Jedenfalls stünde für das Zementwerk die Bevölkerung, die Umwelt und die Energieeffizienz an erster Stelle. „Das gläserne Werk ermöglicht es jedem, auf der Homepage www.umwelt.wup.at Einblick zu nehmen“, so der Werksleiter.

Zement und Baustoffe aus Wietersdorf
w&p Zement bietet stabile Arbeitsplätze für mehr als 200 Mitarbeiter. Die Eigentümer investieren weiterhin in die Standortabsicherung und Umweltmaßnahmen. Die weltweit einzigartige Quecksilberreduktionsanlage ist seit mehr als einem Jahr sehr erfolgreich in Betrieb. In wenigen Monaten sind auch die Nachverbrennung und ein neuer Ofenfilter betriebsbereit.
Wie Verkaufsleiter Peter Ramskogler festhält, seien dies alles Voraussetzungen, um am Standort für die Kunden hochwertige Produkte herzustellen: „Zement ist kein graues Pulver, sondern ein hochkomplexes Gut. Die Produktionsverfahren sind bis ins letzte durchdacht und überwacht, der Betrieb ist mehrfach nach ISO zertifiziert“. Hauptsächlich wird Silozement verkauft, Sackzement macht gerade einmal fünf Prozent der Jahresmenge aus. Sonderprodukte runden das Lieferprogramm von w&p Zement ab, darunter fallen Systeme für die Betoninstandsetzung und den Spezialtiefbau. Darauf konzentriert sich w&p auch bei der Produktentwicklung intensiv: „Es geht darum, Trends zu erkennen und daraus Produkte und Systeme zu entwickeln. Beton ist im Trend, Sanierung gewinnt gegenüber dem Neubau an Bedeutung, und w&p bietet heute und morgen die Produktlösungen dazu“, so Ramskogler.

Optimierte Produktion
Einzigartig ist auch die Sortenvielfalt – zwanzig verschiedene Zemente werden hier produziert, eine große Herausforderung für die Prozesssteuerung, die sich auf einige wenige Computer und Bildschirme reduzieren lässt. Die Besucher lernen: Ein Zementwerk dieser Größe ist grundsätzlich mit einer Handvoll Personen betreibbar. Schier unglaublich angesichts der Dimensionen der Anlage. Doch moderne Prozessleittechnik macht es möglich – selbst die laufende Qualitätskontrolle ist automatisiert – ein Roboter wertet die Stichproben aus der Produktion aus und speist die Ergebnisse in das System ein.