Veranstaltung JI-Kärnten

19.09.2017

Zero Tolerance - in jeder Hinsicht

Kärntner Werk von Bosch und Mahle lässt keine Fehler zu

Der Automotive-Markt ist global ein echt hartes Pflaster. Davon können wohl alle Zulieferfirmen ein Lied singen. Einblicke in diese Welt erhielten die Mitglieder der JI im September beim Besuch der Bosch Mahle Turbo Systems GmbH (BMTS) im Unterkärntner St. Michael. Die Firma wurde als Joint-Venture der deutschen Branchengrößen Bosch und Mahle gegründet und beschäftigt sich mit der Entwicklung, Fertigung und Vermarktung von Abgasturboladern. Im Jahr 2008 wurde das Werk auf die grüne Wiese gebaut, mittlerweile hat man eine signifikante Werkserweiterung hinter sich und die Mitarbeiterzahl am Standort wurde binnen zweier Jahre mehr als verdoppelt. Im laufenden Jahr werden mit rund 700 Mitarbeitern zwei Millionen Abgasturbolader für Diesel- wie auch Ottomotoren, für PKW und Nutzkraftfahrzeuge, hergestellt. Dabei werden in St. Michael Herzstücke (Lagergehäuse und Verdichterrad) in Zerspanung hergestellt und mit zugelieferten Gussteilen und Komponenten endmontiert, getestet und versandfertig gemacht. Bosch Mahle Turbo Systems war übrigens das erste Unternehmen in der Branche, welches lückenlose EOL-Tests (End-Of-Line) durchführte. Es gilt die Null-Fehler-Philosophie. Da verlässt kein Teil das Werk, bevor es nicht 100%ig geprüft und abgenommen wurde. Außerdem ist die Rückverfolgbarkeit konsequent umgesetzt, wozu es natürlich eine clever umgesetzte Industrie-4.0-Strategie im Werk braucht. All dieser Anspruch an das eigene Handeln und das Produkt verwundert allerdings nicht, wenn man sich Konsequenzen von Rückruf-Aktionen in der Automobilbranche vor Augen führt. Und die Kundenliste von BMTS beinhaltet das Who-is-Who der globalen Autohersteller, die Folge- und Reputationsschäden nicht dulden würden.

Der Abgasturbolader – ein heißes Eisen
Die technischen Herausforderungen, denen ein Turbo standhalten muss, sind dabei beeindruckend und erklären einmal mehr, warum das Produkt, wie auch der ganze Herstellungsprozess fehlerfrei und perfekt sein müssen. Ein Turbolader ist zwar nicht allzu groß, aber das Material und die Konstruktion müssen auf engstem Raum extremen Beanspruchungen trotzen – auf der heißen „Abgasseite“ über 1000 °C heiße Luft, auf der Verdichterseite herrschen jedoch Außentemperaturen vor. Und die Turbine selbst dreht sich dabei mit bis zu 300.000 Umdrehungen in der Minute.

Verkauf als Chance
Angesprochen auf den Verkauf von BMTS an den chinesischen Private Equity Investor FountainVest meinte Gerfried Cisar, der der JI das Unternehmen präsentierte, dass er klar als eine Chance auf  nachhaltigen Markterfolg zu werten sei. In diesem globalen Markt müssen gewisse Produktionszahlen erreicht werden, um konkurrenzfähig zu sein und mit FountainVest, seien die Aussichten sehr gut. FountainVest plane, das Geschäft mit Turboladern weiter auszubauen und BMTS für nachhaltiges Wachstum aufzustellen. Man sei davon überzeugt, dass der Markt für Turbolader auch in den kommenden Jahren weiter wachsen werde, insbesondere da dieses Produkt bei Lösungen zur Schadstoffreduktion eine Schlüsselrolle spielen werde. Übrigens seien die Auftragsbücher bei Bosch Mahle Turbo Systems auf Jahre hin gut gefüllt.