Veranstaltung JI-Kärnten

26.04.2018

Ein Land mit verborgenen Qualitäten

LH Peter Kaiser möchte Kärnten zum unternehmerfreundlichsten und kinderfreundlichsten Bundesland machen. Wie genau das erreicht werden soll, ließ er am 26. April vor Mitgliedern der Jungen Industrie Kärnten noch offen.

Genau 14 Tage nach seiner Wiederwahl als Landeshauptmann diskutierte Peter Kaiser mit Mitgliedern der Jungen Industrie Kärnten das neue Regierungsprogramm und hörte von den jungen Führungskräften, was ihnen besonders wichtig für den weiteren Kurs nicht nur des Industrielands Kärnten wäre.

Das Programm wurde in Marathonsitzungen in nur sechs Tagen mit dem Regierungspartner ÖVP ausverhandelt. Wie das wohl mit den Vorstellungen der SPÖ zur Flexibilisierung der Arbeitszeit vereinbar sei, fragte sich später Reinhard Pasterk im Publikum, der eben diese einforderte. Da musste auch Kaiser lachen. Nach einer kurzen Irritation durch den VP-Obmannwechsel war die „Kärnten Koalition“ jedenfalls fix.

Kaiser sprach in seiner kurzen Zusammenfassung des Regierungsprogramms viele Punkte an, von denen er nicht zu Unrecht annahm, sie könnten die jungen Führungskräfte interessieren. Erstmals, so der Landeshauptmann, sei die Industrie in der Referatszuständigkeit genannt. Sogar zweimal, weil sich sowohl der neue Wirtschaftslandesrat Ulrich Zafoschnig darum kümmern werde als auch Technologiereferentin Gaby Schaunig. Anschließend band Kaiser einen bunten Themenstrauß: Von Unternehmerfreundlichkeit bis Kinderfreundlichkeit, von MINT-Fächern bis Elementarbildung, Bedeutung von Forschung, Entwicklung und Hochtechnologie bis zu Internationalität und Mehrsprachigkeit.

Er präsentierte sich als Brückenbauer, der die Anliegen von Interessensgruppen versteht. Er vermittelte Diskussionsbereitschaft und Aufgeschlossenheit. Dennoch ließ er konkrete Maßnahmenvorschläge offen. Mag sein, dass es dafür so kurz nach dem Amtsantritt der Landesregierung einfach noch zu früh ist. Er formulierte aber auch explizit, dass das Ziel des unternehmerfreundlichsten Bundeslands eher als Bekenntnis zu verstehen sei. Auch sei ihm bewusst, das solche Qualifizierungen und Benchmarks nie einen ganz fertigen und dauerhaften Endpunkt erreichen können. Ähnliches gilt dann wohl auch für die Ankündigung der Regierung, Kärnten zur kinderfreundlichsten Region Europas machen zu wollen.

Es gibt Defizite und offene Baustellen

Kaiser verhehlte nicht, dass in Kärnten noch vieles zu tun sei. Die Straßen müssten alsbald saniert werden, ein modernes Image des Landes als Tourismus-, Kultur- und Wirtschaftsregion sei konsequent umzusetzen. Nicht zuletzt werde man durch ein Carinthian Welcome Center die Frage der Abwanderung bzw. Rückkehrer lösen. Denn mit diesem neuen Service werde das Land Kontakt mit den Auslandskärntnern halten. Überraschend wenig Sorgen machen ihm die Schulden des Landes. Wichtiger als die Schulden pro Einwohner sei nämlich nach seiner Meinung die Schuldentragfähigkeit. Fakt bleibt allerdings, dass Kärnten bei der Pro-Kopf-Verschuldung im Bundesländervergleich weit an der Spitze liegt.

Das Gesundheits- und Sozialsystem sparsamer zu machen, hält er schlicht für unmöglich. Lediglich eine Kostensteigerungsdämpfung sei möglich und werde auch schon seit Jahren erfolgreich umgesetzt. Kaiser stehe für Maßnahmen in kleinen Schritten in die richtige Richtung, nicht für einige wenige Leuchturmprojekte. Der gute Weg sei in vielen Bereichen eingeschlagen, Kärnten habe viel mehr zu bieten, als vordergründig gesehen wird. Es gehe also auch darum, die im Verborgenen schlummernden Qualitäten unseres Bundeslandes sichtbarer zu machen. Abschließend kündigte er eine deutliche Verbesserung des Ratings der Bonität des Landes an.