Veranstaltung JI-Kärnten

26.04.2016

Durch Zufall an die Börse

Bernd Wolschner als erster Kärntner Manager zu Gast in der neuen JI-Reihe über erfolgreiche Unternehmens- und Lebensgeschichten.

Ende April machte die Junge Industrie Kärnten den Auftakt zu einer neuen Serie von Gesprächen mit exponierten Kärntner Führungspersönlichkeiten, unter dem Motto „Erfolgreiche Manager erzählen…“. DI Dr. Bernd Wolschner, bis Ende 2015 Vorstand der SW Umwelttechnik und nunmehr selbständiger Berater, erzählte offen und pointiert von seinem beruflichen und geschäftlichen Werdegang. Provokativ stellte er im Eingangsstatement die Frage, was denn eigentlich Erfolg sei und wer ihn definiere? Zumeist sei es wohl die Darstellung des Geschafften, die sich bei positivem Ausgang der Manager gerne selbst ans Revers heftet. Im Negativszenario würden jedoch lieber „der Markt“ oder „die Anderen“ zur Verantwortung gezogen.

Unverblümt und direkt beschreibt Wolschner seinen Weg als Sohn einer Kärntner industriellen Großfamilie, der gezeichnet war durch Erfolge, aber auch scharfe Brüche, schlagartige Wendungen und manchmal pure Zufälle. Der Chemie-Verfahrenstechniker Wolschner steigt 1994 ins Familienunternehmen ein. Mit der Öffnung der Ostmärkte und ersten rasanten Expansionsschritten erfolgt 1997 der Börsegang. Aus heutiger Sicht schätzt er ihn als reinen Zufall ein, denn damals kam die SW Umwelttechnik als verhältnismäßig kleines Unternehmen aufs Börseparkett und holte sich auf einen Schlag fast den zweifachen Jahresumsatz vom Anlegermarkt. Auf der Welle des Erfolgs stiegen die fremdkapitalfinanzierten Investitionen und als 2007 der ‚Crash‘ im Osten kam und beinahe über Nacht Aufträge wegbrachen, stand der Konzern überschuldet da.

Wie Phoenix aus der Asche
„Seien Sie im guten und regelmäßigen Kontakt mit den Vorständen Ihrer finanzierenden Banken und behandeln Sie die Wirtschaftsberater wertschätzend“, lautet Wolschners eindringlicher Appell. SW Umwelttechnik konnte in einem Moment weder das Kapital noch die Zinsen bedienen. Wolschner schaffte es mit Expertise, Taktgefühl und Beharrlichkeit, den Banken Tilgungsvereinbarungen abzuringen, die alle Beteiligten schlussendlich mittragen konnten. Es kam zu keinem ‚Haircut‘, doch 5 Jahre war er faktisch Vorstand eines Unternehmens, das den Banken gehörte. Eine schwierige Zeit, gezeichnet von massiven Umsatzrückgängen und Mitarbeiterabbau. Doch der Fokus auf zwei zukunftsträchtige Auslandsmärkte, nämlich Ungarn und Rumänien, sowie der Wille seine Aktionäre nicht im Regen stehen zu lassen, haben ihn beflügelt, den ‚Turn-Around‘ zu schaffen. 2015 hat man endlich wieder Gewinne geschrieben.