Veranstaltung JI-Kärnten

02.02.2017

Die Netzwerkerin

Vom Bergbauernhof an die Spitze der börsennotierten BKS Bank – Anfang Feber beeindruckte Herta Stockbauer die Junge Industrie Kärnten mit ihrem in Österreich fast beispiellosen Karriereweg.

Im Rahmen der JI-Veranstaltungsserie „erfolgreiche Kärntner Manager erzählen …“ lud die Vorstandsvorsitzende Dr. Herta Stockbauer in die Chefetage der Zentrale der BKS Bank in Klagenfurt. Sie sei auf einem Bergbauernhof in 1.100 Meter Seehöhe aufgewachsen. Um die Handelsakademie besuchen zu können, musste sie bereits mit 15 Jahren ins 50 Kilometer entfernte Internat nach Klagenfurt übersiedeln. Stockbauers Wunsch nach Bildung war schon am Anfang mit einigen Entbehrungen verbunden. Ohne ihre ausgeprägte Zielstrebigkeit und Selbständigkeit hätte sie es nicht geschafft. Deshalb war der Abschluss des Studiums der Handelswissenschaften in Wien auch nur ein weiterer Schritt. Sie ging als Assistentin an die damals junge Uni Klagenfurt in den Bereich Betriebswirtschaftslehre und schrieb parallel ihre Dissertation an der WU Wien, für die sie den renommierten Rudolf-Sallinger-Preis verliehen bekam. Wegweisend war das von ihr wissenschaftlich behandelte Thema im damals noch wenig verbreiteten Controlling. Das habe ihr später in der BKS Bank geholfen, in die Controllingabteilung zu kommen, wo sie über Jahre erfolgreich Projekte federführend abgewickelt habe, so Stockbauer.
Mit Freude, Neugierde und viel harter Arbeit machte sie sich einen Namen im Unternehmen und wurde schließlich 2004 in den Vorstand berufen. Seit 2014 ist Herta Stockbauer Vorsitzende des Vorstands mit umfangreichen Zuständigkeiten für Corporate Banking, Rechnungswesen und Controlling, Internationales Geschäft und einiges mehr. Immer noch ist sie damit eine der wenigen Frauen an der Spitze eines österreichischen börsennotierten Unternehmens.

Frauenförderung
Es gebe keinen konkreten Anlassfall, doch schon immer habe sie unabhängig sein wollen. Das wünsche sie sich auch für andere Frauen, so Stockbauer auf die Frage, warum sie die Gleichstellung fördere. „Es muss einfach weiter in Beruf und Familie, bei der finanziellen Absicherung und am gleichgestelltem Einkommen gearbeitet werden“, meint sie dazu. Und solange die Chancengleichheit noch nicht hergestellt sei, müsse es eben spezielle Förderprogramme geben, wie beispielsweise jenes der BKS, durch das Frauen gezielt in Führungskräftepositionen entwickelt werden. Stockbauer bringt sich hier persönlich stark ein, verbindet damit auch einen Aspekt ihres gesellschaftspolitischen Engagements. Sie empfiehlt aufstrebenden Frauen, sich Netzwerke aufzubauen, ebenso wie sie selbst es über Jahre getan habe. Heute sei sie in Österreich ausgezeichnet vernetzt und empfinde gerade die Kontakte zu anderen Frauen in hochrangigen und einflussreichen Positionen als positiv und inspirierend.

Digitale Vorfreude
Auf die Herausforderungen der Zukunft, die Digitalisierung und Security-Themen im Bankwesen freue sie sich schon. Endlich könne man spannendes Neuland gestalten, zu lange habe man sich im Banking hauptsächlich mit Regularien herumschlagen müssen. Doch neben dem Online-Geschäft sehe Stockbauer die Beratungsleistungen als zentrales Betätigungsfeld im Bankwesen. Einfache, manuelle oder in Algorithmen abbildbare Aufgaben und Entscheidungen würden wegfallen oder automatisiert, die persönliche und kompetente Kundenberatung werde im Gegenzug an Bedeutung zulegen, ist sie überzeugt. Ebenso würden die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter weiter steigen. Allerdings erwarte sie keinen dramatischen Wandel der Geschäftsmodelle, wie es manchmal prophezeit werde. Jedes große Unternehmen sei ohnehin laufend in Change-Prozessen und die BKS unter ihrer Führung für die Zukunft gut aufgestellt.