Thema JI-Wien

29.06.2018

Den Wandel aktiv gestalten

Man kann eine Vielzahl an Wünschen für Aktivitäten und Rahmenbedingungen formulieren, um den technsichen Wandel gelingend zu gestalten. Die Junge Industrie Wien hat ihre Forderungen auf die wesentlichsten Themen konzentriert, die aus JI-Sicht unabdingbar sind. Diese Forderungen sind als Enabler zu verstehen, um die Chancen der Digitalisierung bestmöglich zu nutzen und Herausforderungen zu meistern.

App auswählend, Smart Factory

Fachministerium für Digitalisierung


 

Wir brauchen fachlich versierte Akteure in der Politik anstatt parteipolitisch motivierter Besetzungen. Vor allem gilt es, ein schlagkräftiges Ministerium zur konzertierten Gestaltung der politischen Agenden zu schaffen.

 

Derzeit sind die Akvititäten bzw. Initiativen auf politischer Ebene über mehrere Ministerien sowie Einzelbudgets verteilt. Zusätzlich fehlen Spitzenpolitiker in ausreichender Zahl mit einem tiefergehenden Sachverständnis und entsprechend fachlicher Qualifikation.

Dementsprechend fordert die Junge Industrie, ein Ministerium für Digitalisierungagenden zu schaffen, in dem sämtliche Agenden noch stärker als aktuell gebündelt koordiniert werden. Wichtige Themen reichen dabei von Infrastrukturpolitik bis hin zur Bildung.

 

Digitaler europäischer Binnenmarkt


 

Um Gründungen und Wachstum von europäischen IT-Anbietern zu erleichtern müssen wir das EU-Flickwerk an Rahmengesetzgebungen, Verordnungen und Zulassungsanforderungen vereinheitlichen.

 

Während der EU-Binnenmarkt seit 25 Jahren durch fairen Wettbewerb und Abbau von Hindernissen Vorteile für Bürger und Unternehmen gebracht hat, bestehen im digitalen Bereich viele – sinnbildliche – Schlagbäume, die entweder den Zugang zu Dienstleistungen und Waren verschließen bzw. Unternehmen daran hindern, wirtschaftliche Potenziale voll auszuschöpfen.

Unter dem Begriff Digital single market (kurz DSM) versucht die Kommision, den digitalen Binnenmarkt und die EU-Gesetzgebung fit für das digitale Zeitalter zu machen. Die Verwirklichung des digitalen Binnenmarktes (DSM) könnte laut aktuellen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 415 Milliarden Euro zur Wertschöpfung in der EU beitragen und Hunderttausende neue Arbeitsplätze schaffen.

Wenn wir global eine Rolle spielen wollen, gilt es dringend den EU-Binnenmarkt auch auf der digitalen Seite fit für die heute Zeit zu machen. Österreich muss dabei – nicht zuletzt wärhend des Ratsvorsitzes - eine treibende Kraft in der umgehenden Schaffung eines EU-weiten digitalen Binnenmarktes sein. Die österreichische Regierung hat sich auf EU-Ebene dafür stark zu machen und die Notwendigkeit einer raschen Umsetzung zu erklären. Nur durch Vereinheitlichung der Rahmengesetzgebung wie etwa Datenschutz und –sicherheit, digitale Betriebsstätte, etc. können sich wettbewerbsfähige Unternehmen der Digitalwirtschaft auf europäischem Niveau entwickeln.

 

Investitionsturbo 5G


 

Österreich war stets ein wichtiges Pilotland für neue Technologien im Mobilfunk. Auch bei 5G muss Österreich eine führende Rolle einnehmen und damit die Basis für neue Unternehmen und Arbeitsplätze schaffen.

 

Für Anwendungen wie Autonomes Fahren, Fern-Operationen oder die Milliarden von vernetzten Geräten im Rahmen des I-oT Für sind die momentanten Mobilfunktechnologien nicht mehr ausreichend. Mit 5G steht eine Nachfolge-Technologie für den derzeitigen LTE-Standard in den Startlöchern. Die 5G-Technologie stellt dabei keine lineare Weiterentwicklung der Bandbreite dar, sondern ist vielmehr eine Basistechnologie für viele neuartige Anwendungen.

Erste Versuche (z.B. 5G-Testregion in Kärnten) sind zwar gestartet, allerdings ist man wie so oft bei diesem Thema viel zu wenig ambitioniert. In Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern muss Österreich sich als Vorreiter in der Umsetzung von 5G etablieren und damit den Nährboden für hochwertige Arbeitsplätze, sowie neue Geschäftsmodelle und Unternehmen schaffen. Dabei sollen öffentliche und private Investitionen dazu beitragen, dass Österreich als erstes Land flächendeckend über 5G verfügt. Diese Vorreiterrolle wird dazu führen, dass Unternehmen auf globaler Ebene in Österreich Ihre Anwendungen entwickeln und ausrollen sowie erproben und neue Technologien auf Basis scheller Datenverbindungen in Österreichen als erstes fußfassen.

Ein ambitionierter und ernsthafter 5G-Ausbau bringt aber auch substanzielle Chancen für den Wohlstand und Arbeitsplätze. Entsprechend einer aktuellen Studie werden durch den 5G Ausbau rund 35.000 neue Arbeitpslätze entstehen und das jährliche BIP um ca. 4 Mrd. EURO gestärkt.

 

Digitale Lehrinhalte

 

Das Bildungssystem muss um moderne Lehrplaninhalte ergänzt werden. Ein besonderer Fokus sollte auf die verstärkte Förderung von MINT-Fächern gelegt werden.

 

Der Reformstau im Bildungssystem insgesamt muss dringend gelöst werden. Über digitale Kompetenzen kann man erst reden, wenn das Bildungssystem wieder allen Teilnehmern zuverlässig klassische Lehrinhalte vermittelt. Zusätzlich gehören jedoch Lehrpläne entrümpelt und modernisiert. Konkret soll Programmieren als Pflichtfach ab der 5. Schulstufe an allen Schulen durchgesetzt werden. Digitale Kompetenzen sollen dabei die klassischen Kulturtechniken Lesen/Schreiben/Rechnen nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen und erweitern.

Eine erfolgreiche Bildung samt zugehörigen System ist aus zwei Gründen von immenser Bedeutung. Einerseits können wir die Schätze der Digitalisierung nur mit gebildten Fachkräften heben. Andererseits ist es unbestritten, dass die technologischen Entwicklungen vor allem den Bereich der nicht- bis geringqualifizierten Gruppen weiter unter Druck setzen wird.