Thema JI-Vorarlberg

28.03.2017

„Vorarlberger Industrie kann idealer Nährboden für Startups werden“

JI-Vorsitzender Andreas Karg hält die aufkommende Startup-Szene in Vorarlberg für begrüßenswert und sieht großes Potential in einer engeren Vernetzung mit der Industrie. In einem Interview mit den Vorarlberger Nachrichten spricht er über Stärken in Nischen und die Potentiale der Region.

JI-Vorsitzender Andreas Karg

Herr Karg, wie bewerten Sie das Umfeld für Startups in Vorarlberg?
Vorarlberg kann zwar nicht mit europäischen Hotspots wie Berlin oder London mithalten, es hat jedoch seine eigenen Qualitäten, seinen Charme und punktet mit Stärken in gewissen Nischen. Inzwischen hat man auch das große Potential der Startup-Szene erkannt und bemüht sich, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und ihr die notwendige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Gerade im Bereich Infrastruktur - beispielsweise im Breitbandausbau – besteht aber noch Aufholbedarf und mir persönlich sind die Ziele des Landes noch zu wenig ambitioniert. Wenn sich ein mir bekannter Unternehmer mitten im Ballungsraum fünf Monate um einen Glasfaseranschluss bemüht und sich erst mit viel Beharrlichkeit langsam eine Lösung abzeichnet, während ein paar Kilometer weiter im benachbarten St. Gallen daran gearbeitet wird, eine flächendeckende Glasfaserversorgung für alle anbieten zu können, liegt der unterschiedliche Umgang mit dem Thema offenkundig auf dem Tisch.

Sie sprechen von Stärken in Nischen, welche sind das?
Hier meine ich insbesondere die vielen Unternehmen in der innovativen Vorarlberger Industrie, um die uns andere Regionen beneiden. Dort kann ein idealer Nährboden für Startups entstehen. Mit innovativen Ideen, Lösungen und Produkten muss es das Ziel sein, dass Jungunternehmer starke Partner finden, mit denen sie gemeinsam ein Produkt zur Marktreife weiterentwickeln können. Auch für die Industriebetriebe ist es ein großer Vorteil, wenn herkömmliche Denkmuster durch eine andere Sichtweise durchbrochen werden und externes Know-how dem Unternehmen zur Verfügung steht, denn für viele wirklich tiefgreifende Innovationen braucht es meiner Meinung nach oftmals einen Anstoß von außen. Noch mangelt es aber teilweise an der gegenseitigen Wahrnehmung.

Wieso meinen Sie, findet diese Wahrnehmung der Synergieeffekte noch nicht statt?
Sie findet schon statt, nur eben derzeit noch auf sehr bescheidenem Niveau. Vielleicht ist es auch ein wenig die Meinung, dass mit dem Zuzug und der Gründung vieler technologieintensiven und industrieaffinen Startups ein noch größeres Gerangel um die Facharbeiter im Land stattfinden wird und dabei werden die schon erwähnten Vorteile ausgeblendet. Es braucht eine Plattform zum gegenseitigen Austausch, um die Akteure miteinander ins Gespräch kommen zu lassen, dann ergeben sich sowohl die Kooperations- als auch die Investitionsmöglichkeiten von alleine.

Welche Investitionsmöglichkeiten meinen Sie?
Gerade Startups sind zu Beginn oftmals auf externe Geldgeber angewiesen und es ist teilweise nicht so einfach, einen Investor zu finden. Ein Kapitalgeber aus der Region, hinter dem eventuell auch noch ein Industrieunternehmen steht, mit dem kooperiert werden kann, ist für einen Jungunternehmer eine attraktive Option.

Wie kann der von Ihnen angesprochene Facharbeitermangel angegangen werden?
Dazu braucht es ein ganzes Bündel von Maßnahmen: Beginnend mit der Sensibilisierung der MINT-Fähigkeiten (Anmerkung: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bei Kindern und Jugendlichen, geht es vor allem um die Aufwertung der Lehre, die Aufwertung der angesprochenen Fähigkeiten in den höheren Schulen und in der Fachhochschule und mehr Vernetzung mit den Top-Universitäten der Region. Es braucht aber auch eine gezielte qualifizierte Zuwanderungsstrategie. Vorarlberg muss sich überlegen, wie es für auswärtige hochqualifizierte Fachkräfte noch attraktiver werden kann. Mit „Vorarlbergs urbaner Weg“ hat die Industriellenvereinigung ein gutes Konzept vorgelegt, entscheidend wird aber die Umsetzung sein.