Thema JI-Tirol

02.06.2016

viertes JI-INSIGHT

"Industrie 4.0 ist schon". So kurz lässt sich die Podiumsdiskussion beim vierten JI-INSIGHT am 31. Mai 2016 in der Werkstätte Wattens zusammenfassen.

Im Zeichen von "I 4.0": Dr. Peter Affenzeller, Mag. David Lindner, Dekan Univ.Prof. Dr. Justus Piater, Mag. (FH) Hans-Jürgen Wohlschlager

JI-Vorsitzender Mag. (FH) Hans-Jürgen Wohlschlager bedankte sich insbesondere beim Geschäftsführer der Werkstätte Wattens, Mag. Matthias Neeff, für den herzlichen Empfang und den kurzen Rundgang durch sein Reich. Die Werkstätte Wattens ist eines von rund 800 weltweiten „Fablabs“. Das Wattener Fabrikationslabor ist neben Wien und Graz die dritte derartige Einrichtung in Österreich. Von Schreibtischen im Open Office über einen Silent Room bis hin zu Hightech Equipment in insgesamt vier Themen-Werkstätten (darunter neueste Laser-Cutter und 3-D-Drucker) gibt es wirklich alles, was junge Entrepreneure so brauchen können. Das Angebot in der Werkstätte Wattens kann aber jedermann benutzen, der sich mal schnell einen Prototypen ausdrucken möchte.

In der anschließenden und von Mag. David Lindner moderierten Diskussion sprachen Dekan Univ.Prof. Dr. Justus Piater vom Institut für Informatik an der Universität Innsbruck und der Studiengangsleiter Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Kufstein, Dr. Peter Affenzeller, über den neuesten Stand ihrer Fachgebiete.

„Industrie 4.0 ist in vielen Industriebranchen längst Realität. Wenn Sie so wollen, kann man das Schlagwort ‚Industrie 4.0‘ durchaus als Erfindung von Marketing-Experten sehen, die versucht haben, die unglaubliche Vielfalt und Komplexität der Veränderung modernder Industrien für den Normalbürger zusammenzufassen,“ so Dekan Piater. Aus seinem Forschungsfeld berichtete er weiter, wie schwierig es sei, dem Menschen ganz simpel erscheinende Aktionen einem Roboter beizubringen. Das Heben eines Wasserglases wird da schon zur veritablen Herausforderung. Durch die Vielzahl der veränderlichen Parameter stößt man an programmierbare Grenzen. Ein semantischer Lernansatz oder „Trial & Error“ ist da zielführender. Man braucht halt ein paar Gläser.

Dr. Affenzeller versicherte, dass der Mensch auch in Zukunft noch Arbeit haben werde. So wie das papierlose Büro noch kaum jemand zu Gesicht bekommen hat, wird es auch die menschenleere Fabrik nicht so bald geben. Mit Bezug auf die von ihm unlängst für die IV-Steiermark erstellte Studie „Industrie 4.0“, zog er Parallelen zur durchaus vergleichbaren Tiroler Situation. Zunehmende Digitalisierung, Big Data und der Trend zu immer stärkerer Individualisierung von Produkten entscheiden heute über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

Auf die Frage von Moderator David Lindner, wie das nun bei Automotivzulieferern laufe, gab Dr. Robert Kapferer von der Otto Kapferer Ges.m.b.H. in Fulpmes einen kurzen Einblick in ihre Echtzeitproduktion. Ihre Kunden stellen Aufträge schon direkt in ihr EDV-System. Vom Schreibtisch aus können sie in jede Phase der Produktion in Realtime blicken, womit ein weiterer Diskussionspunkt angesprochen war: Big Data. „Als KMU fehlt einem aber auf Grund des Tagesgeschäftes einfach die Zeit, sich mit der Datenfülle auseinanderzusetzen, obwohl man praktisch alles auswerten könnte.“

Weil sich das Thema „Industrie 4.0“ nicht einfach in zwei Stunden Diskussion erschöpfend erledigen ließ, war es natürlich auch während des folgenden „thaiLicous“-Imbisses beherrschendes Thema.