Thema JI-Salzburg

22.02.2018

„Wir sind so herrlich unterschiedliche Charaktere“: Clemens Usner übernimmt Vorsitz der JI Salzburg

Clemens Usner (37) ist nach über 15 Auslandsjahren zurück in Salzburg. Über Nacht hat er den Familienbetrieb übernommen. Und am 8. Februar auch den Vorsitz der Jungen Industrie Salzburg. Ein Gespräch über Beziehungen, technologischen Fortschritt und globales Denken in regionalen Netzwerken.

An der Spitze der JI Salzburg: Clemens Usner (37)

Nach vielen „auswärtigen“ Jahren hat dich ein starkes Netzwerk in Salzburg empfangen. Sind das alte oder neue Beziehungen?

Für unser Familienunternehmen sind die persönlichen Beziehungen und der technische Fortschritt schon immer zwei gleich wichtige Erfolgsbausteine. Ich habe mein Netzwerk in Salzburg immer intensiv gepflegt und freue mich, es nun durch einen weiteren Zweig zu erweitern. Gute Kontakte stiften nachhaltige Beziehungen, und Austausch belebt den unternehmerischen Fortschritt. Diese Überzeugung möchte ich auch in meine Arbeit als JI-Vorsitzender einbringen.

Über Nacht hast du deine Karriere bei der Deutschen Bank gegen den Chefsessel im Familienunternehmen getauscht. Wie kam das?

Nach neun Jahren Beratung und Vermögensverwaltung im Großkonzern bin ich tatsächlich über Nacht „heimgekehrt“. Mein Weg in den Finanzmarkt war nach dem Studium der richtige. Für mich war klar, dass ich mich nach dem Tod meines Vaters in das Unternehmen einbringen will. Ich bin in Salzburg mit meinen fünf Geschwistern und unserem Unternehmen aufgewachsen. Vergangenes Jahr habe ich eine Entscheidung getroffen: für den Betrieb und für meine Heimatstadt.

Damit führst du einen Familienbetrieb mit Geschichte. Wie fing alles an?

Mein Großvater hat den Betrieb im Jahr 1949 gegründet, mein Vater und auch mein Onkel sind mit dem Betrieb aufgewachsen. Die Usner GmbH produziert Hilfsmittel für die Gießereiindustrie. Wir sind in einer Nische unterwegs und decken von der Produktion über den Handel bis zur Beratung die ganze Palette ab. Für mich geht es jetzt darum, beide Welten – die Old und die New Economy – zu verbinden. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: unser Herzstück ist die Beratung. Gerade hier kann ich Kenntnisse einbringen, die ich im Großkonzern erworben habe.

Was macht es für dich so spannend, Unternehmer zu sein?

Verantwortung zu übernehmen, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Dabei helfen mir meine Erfahrungen der Auslandsstation. Auch von Hallein aus kann ich die Unternehmensstrategie global ausrichten. Und wer kann schon aus dem Büro in die Berge schauen? Das schätze ich durch meine Zeit im Ausland wahrscheinlich noch mehr.

War klar, dass du in der Geschwisterreihe der Unternehmensnachfolger wirst?

Nein, das war nicht in Stein gemeißelt. Wir sind alle unseren eigenen Weg gegangen, von der Krankenschwester bis zur Mathematikerin. Mein Vater hat mit Stolz meinen Werdegang beobachtet. Er wollte mir keinen Weg vorgeben und mir auch keine Last aufbürden. Insgeheim hat er sich aber gewünscht, dass ich eines Tages übernehmen werde.

Was hast du dir für deine Rolle als JI-Vorsitzender vorgenommen?

Das JI-Kernthema „Master versus Meister“ werden wir weiterführen: Uns geht es um Rahmenbedingungen für die besten Fachkräfte. Hier wollen wir vom Lehrling im gewerblich-handwerklichen Bereich bis hin zur Fachkraft im tertiären Sektor alle erreichen. Außerdem kommen wir JI-ler aus einer Generation, die sich zwar nur teilweise Digital Native nennen darf, aber vollkommen medien-und technologieaffin arbeitet. Viele von uns rund um die Uhr. Die Verschränkung von Unternehmensführung und Digitalisierung wird uns in der Jungen Industrie die nächsten Jahre sehr beschäftigen.

Worin siehst du einen Kontrast zwischen der Jungen Industrie und der IV?

Durch den neu gewählten Vorstand sinkt der Altersdurchschnitt um etwa zehn Jahre. Zudem wird das Team weiblicher: drei Männer gehen, zwei Frauen kommen in den Vorstand. Wir dürfen mutiger und kreativer sein und haben mehr Spielraum. Die Industriellenvereinigung können wir als Anker nutzen, sie ist für uns das große Rückgrat. Mit den IV-lern verbindet uns der Sinn für Verantwortung, unternehmerisch und gesellschaftlich. Was ich schon jetzt weiß: Wir sind so herrlich unterschiedliche Charaktere! Auf dieses Zusammenraufen freue ich mich.

 

Clemens Usner (37) ist in Salzburg geboren und mit fünf Geschwistern in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen. Nach dem Studium der Internationalen BWL in Wien hat er 9 Jahre in der Deutschen Bank im Bereich Private Wealth Management gearbeitet. Im vergangenen Jahr ist Clemens nach Salzburg zurückgekehrt, um die Geschäftsführung des Familienunternehmens in Hallein zu übernehmen. Der frisch gewählte Vorsitzende der Jungen Industrie ist an der Spitze eines 113 Mitglieder starken Netzwerkes. In wenigen Wochen kommt ein weiteres „Amt“ hinzu: Dann wird Clemens Usner zum ersten Mal Vater.