JI.W

Junge Industrie holt Mitglieder vor den Vorhang

Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Familienunternehmen startete die Junge Industrie Wien am 7. März 2019 das neue Format JI Member.Talks.

MemberTalk

Vom Kleinstbetrieb bis zum Weltkonzern, mehr als die Hälfte aller österreichischen Unternehmen sind Familienunternehmen. Rechnet man Einpersonenunternehmen hinzu, sind es sogar 90%. Familienunternehmen beschäftigen rund 70% der österreichischen Erwerbstätigen und erwirtschaften gut 60% der heimischen Umsätze. Durch ihre traditionell langfristigen Strategien tragen sie maßgeblich zum stabilen Wachstum im Lande bei. Sie sind sehr beliebt als Arbeitgeber und weisen eine geringere Fluktuation der Beschäftigten auf als viele andere Unternehmen. Doch was macht Familienunternehmen wirklich aus? Wo sind ihre Stärken und Schwächen? Wie lassen sich Unternehmen und Familie vereinbaren?

Zu diesen und anderen Themen diskutierten beim ersten JI Member.Talk Marie-Christine Mantler (Mantler-Mühle, Vorstand JI-NÖ/Bgld), Rainer Ulrich (Ulrich Etiketten) und Ludwig Malina-Altzinger (A. Stadlbauer Tankstellen Bau- u. BetriebsgmbH, Vorstand JI-Wien). Sie waren sich einig, dass Tradition und Werteverbundenheit Alleinstellungsmerkmale von Familienunternehmen sind. Das macht sie zu vertrauenswürdigen Verkäufern, Geschäftspartnern und Arbeitgebern, kann aber zugleich als Innovationshindernis wirken. In jedem Fall ist es für den Erfolg von Familienunternehmen wesentlich, dass die Unternehmensverhältnisse auch familienintern klar geregelt sind, etwa durch eine Familienverfassung. Denn die Überlappung von Eigentum, Führung und Familie kann leicht zu Konflikten führen.

Auch die Unternehmensnachfolge, so die Diskutanten einhellig, ist ein Thema, mit dem sich jedes Familienunternehmen zeitgerecht auseinandersetzen sollte. Dabei sind die Wege ins familieneigene Unternehmen oft alles andere als vorgezeichnet. Marie-Christine Mantler etwa entschied sich erst nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 für die Mantler-Mühle, als sie miterlebte, wie Familie und Mitarbeiter zusammenhielten und die überschwemmten Anlagen wieder betriebsfähig machten. Ludwig Malina-Altzinger stieg nach einer ersten Laufbahn als Steuerberater ins Unternehmen ein und Rainer Ulrich hätte sich auch als Unternehmensgründer wohlgefühlt. Sich Sporen außerhalb des Unternehmens zu verdienen ist laut den drei Familienunternehmern auch unerlässlich, um von langjährigen Mitarbeitern respektiert zu werden. Denn schließlich werden Familienunternehmer, wie alle Unternehmer daran gemessen, wie sie sich am Markt bewähren – nur mit der Familie als allgegenwärtigem zusätzlichem Stakeholder.