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JI-Talk mit Walter Scherb jun.

Am 29. Juni 2020 fand der erste österreichweite Salzburger Online-JI Talk statt – zu Gast war Walter Scherb jun., Geschäftsführer der S. Spitz GmbH, interviewt von unserem Landesvorsitzenden Clemens Usner.

Walter Scherb jun. JI Talk

„Wir stecken in einer tiefen Krise“, so Walter Scherb jun. zur aktuellen Situation „und eine 2. Welle lässt sich nicht ausschließen“. Allen voran werde, auf lange Sicht, die Kaufkraft am meisten darunter leiden, was sie jetzt auch schon tue, so Scherb jun. weiter. Momentan sei die Lebensmittelindustrie noch recht stabil, der Absatzmarkt des Familienunternehmens Spitz ebenso. „Ein mögliche Schwachstelle liegt in der Produktion“, denn die müsse weiterlaufen, damit die Firma nicht stillsteht. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen: der Schichtwechsel findet in Zelten statt, damit es keine Überschneidungspunkte gibt, so dass sich im Falle eines Falles nur ein kleiner Teil der Belegschaft möglicherweise in Quarantäne begeben müsse.
 

Als COVID-19 Anfang des Jahres in China ausbrach, befand sich Scherb jun. gerade in Asien. So überlegte er schon früh, welche Rohstoffe die Spitz-Gruppe aus welchen Quellen beziehen könnte, sollte es zu einem Mangel an Lieferungen aus dieser Region kommen. „Aufmerksamkeit ist geboten, da man den Exportstopp aus China nicht gleich merkt, weil die Schiffe zu dem Zeitpunkt noch unterwegs sind. Da darf man die chinesischen Exportmärkte keinen Moment aus den Augen lassen“, so der Spitz- Geschäftsführer. Aber nicht nur China ist ein wichtiger Lieferant, auch Italien, aus dem seine Firma beispielsweise das Fruchtmus bezieht.

Momentan arbeiten noch viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Homeoffice, da sich nie mehr als die Hälfte von ihnen gleichzeitig im Büro befinden dürfen und der Mindestabstand eingehalten werden wird. Ebenso gibt es Time-slots in der Kantine und die schon erwähnten Zelte beim Schichtwechsel - „man muss vorsichtig sein“, betonte Scherb jun. immer wieder.

Das Thema „Mehrweg“ hat unter Corona sehr gelitten, so Scherb jun., vor allem merkte man es bei den Mineralwasserflaschen. Öfter einkaufen zu gehen wurde vermieden bzw. haben viele Konsumenten aufgrund des Gewichts auf Plastikflaschen zurückgegriffen. Beim „Hamsterkauf“ musste es ja schnell gehen.

In den letzten Monaten hat sich das Konsumverhalten in vielerlei Hinsicht verändert. So haben Konsumenten vermehrt online bestellt und sich die Einkäufe liefern lassen. Anders als in England oder Amerika mussten aber viele Geschäfte erst darauf umrüsten, da sie diesen Service noch nicht oder nicht in dem Ausmaß angeboten haben. „Dahingehend wird es in Österreich sicherlich einen Schub geben“, so Scherb jun.

Hinsichtlich der Trends am Markt gibt es einen Anstieg an Getränken mit Funktionalität. Dieser ist z.B. in England schon sehr groß, nimmt aber auch in Österreich kontinuierlich zu. Ebenso steigt der Absatzmarkt für Energydrinks, wobei hier auch der Aspekt der Gesundheit eine immer wichtigere Rolle spielt. Auch wird die Nachfrage nach Fleischersatzprodukten größer, was die S. Spitz GmbH weniger betrifft, dennoch werden vegane/vegetarische Alternativen im Getränkebereich immer gefragter, zum Beispiel Hafermilch. Auch Zuckerreduktion bzw. die Zuckeroptimierung ist ein großes Thema, genauso wie nachhaltige Verpackungen.

Walter Scherb jun. ist seit 2019 als Geschäftsführer der S. Spitz GmbH tätig, aber bereits seit 2016 operativ in dem Unternehmen beschäftigt. Sein Vorgänger stammte nicht aus der Eigentümerfamilie Scherb, was, so Scherb jun., die Übergabe etwas erleichtert hat. In den drei Jahren, bevor er Geschäftsführer wurde, arbeitete der u.a. an folgenden zwei Projekten: einerseits an neuen Strategien für Gasteiner Mineralwasser (wurde 2007 von der Spitz-Gruppe übernommen), andererseits an der Implementierung systematischer Marktanalysen, mit deren Hilfe maßgeschneiderte Konzepte für Kunden ausgearbeitet wurden. Diese schließen heute zum Beispiel die ständige Betreuung der Regale der Kunden ein.

Zum Thema Digitalisierung in seinem Unternehmen versucht man vor allem den administrativen Bereich dahingehend zu verändern, dass der Aufwand mit weniger relevanten Arbeiten deutlich reduziert werden kann. In der Produktion wurde bereits eine Automatisierung der Linien umgesetzt und im Getränkebereich wird inzwischen fast alles digital gesteuert, sodass es kaum noch Handarbeit gibt.  Jedoch, so merkte Scherb jun. an, ist er mit den bisherigen Softwarelösungen noch nicht zufrieden. Die Datenerfassung ist einfach, die Herausforderung ist mehr die Datenanalyse/-ausarbeitung. „Da pushen wir uns gegenseitig amMarkt – wir, die unsere Erwartungen haben, und jene, die die Software zu verbessern versuchen“, so der Geschäftsführer, „und genau so kommen wir auch wirklich weiter“.