JI.NÖ/Bgld

2. JI-Talk Around The World: im Osten viel Neues

Am 2. März ging die virtuelle Reise der Jungen Industrie NÖ/Bgld nach Russland und in die Ukraine.

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Unter der Moderation von JI NÖ/Bgld-Vorstandsmitglied Isabella Nowotny-Hengl gaben Gabriele Haselsberger, WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in Kiew, und Thomas Spazier, stellvertretender WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Moskau, spannende Einblicke in die Marktchancen vor Ort. Dabei erzählten sie auch über wichtige Dos & Don’ts im Geschäftsleben dieser Länder.

So kommt es beispielsweise in Russland nicht gut an, wenn man als Ausländerin oder Ausländer politische „innerrussische Angelegenheiten“ kommentiert, wie Thomas Spazier erklärte. Bei der Anbahnung geschäftlicher Beziehungen seien neben dem persönlichen Kontakt vor allem Handschlagqualität, Selbstbewusstsein und Entschlossenheit besonders wichtig. Die EU-Sanktionen für Russland hätten den österreichischen Industrieunternehmen auch neue Chancen gebracht. Zwar setzt Russland seit 2014 verstärkt auf nationale Güterproduktion – dafür braucht es aber auch Maschinen und Anlagen, die wiederum oft importiert werden müssen. Neben der Coronakrise war vor allem der Ölpreisverfall im Vorjahr eine große wirtschaftliche Herausforderung für das Land, das rund zweihundert Mal so groß ist wie Österreich.

Bei Geschäftskontakten in der Ukraine ist es ratsam, dieses Land nie mit Russland zu verwechseln, wie Gabriele Haselsberger erklärte. Russischkenntnisse seien dennoch hilfreich, weil die Sprache auch in der Ukraine durchaus gängig ist. Darüber hinaus könne auch die historische Verbindung zur Ukraine bei der Geschäftsanbahnung helfen. „Vor allem im Westen denken die Leute mit Nostalgie an die k.u.k.-Monarchie zurück“, so die Wirtschaftsdelegierte. In Lwiw ist die gemeinsame Vergangenheit auch im Stadtbild sichtbar.

Das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU sei mehr als nur eine Zollunion – es geht darin auch um eine Anpassung der Normen und Umweltstandards an die Europäische Union. Und obwohl europäische Unternehmen die unberechenbare Wirtschaftspolitik und die mangelnde Rechtssicherheit als große Herausforderungen in der Ukraine sehen, schätzen sie auch die Marktchancen. Große Skihersteller wie Fischer und Blizzard betreiben Werke in der Ukraine, aber auch der österreichische Fruchtsaftmacher Pfanner und die Agrana haben hier Standorte.

Gemeinsam haben Russland und die Ukraine jedenfalls, dass es beim Wohlstand ein großes Stadt-Land-Gefälle gibt. Zudem ist die Abwanderung der jüngeren, gut ausgebildeten Bevölkerung eine große Herausforderung.