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Quereinsteiger mit Führungserfahrung

René Haberl erlebte als Manager bei FunderMax viele Höhen und einige Tiefen. Was er dabei gelernt hat, bringt er jetzt bei der Treibacher Industrie AG ein

Erfolgreiche Kärntner Manager erzählen mit René Haberl

Seit dem Spätsommer 2020 ist René Haberl nun Vorstand der Treibacher Industrie AG (TIAG). Mit knapp 50 Jahren und nach 27 Jahren bei FunderMax hat er noch einmal den großen Sprung in ein völlig neues unternehmerisches Umfeld gewagt. Als totaler Quereinsteiger, wie er bei der Online-Veranstaltung in der Reihe „Erfolgreiche Kärntner Manager erzählen…“ der Jungen Industrie Kärnten berichtete: von einer HTL-Ausbildung in Nachrichtentechnik und Elektronik zunächst zum Hersteller von Holzwerkstoffen und Bauzulieferer und nun hinein in ein breit aufgestelltes Chemieunternehmen mit aufwändiger Verfahrenstechnik.

Führung interessiert mich

Am Ende waren es dann aber weniger die inhaltlichen Themen, mit denen Haberl die jungen Führungskräfte an ihren Computer-Bildschirmen beeindruckte, als die geballte Ladung Lebens- und Leadership-Erfahrung. Während seiner Zeit als Milizoffizier beim Bundesheer habe er erkannt, dass ihn das Thema Führung interessiere. Ganz offen spricht er über Erfolge und Niederlagen, an denen er gewachsen sei. Es brauche Offenheit für Neues und Durchhaltevermögen. Die Erkenntnis, dass der Projektleiter prinzipiell immer schuld sei, habe ihn regelrecht befreit. Hier könne man „Führung zum Quadrat“ lernen: Man habe keine echten Befugnisse und müsse seine Leute maximal motivieren. So hat Haberl bei – damals noch Funder – das größte Investitionsprojekt, das fast 1 Mrd. Schilling teure neue Werk in St. Veit, mit umgesetzt.

Er hat aber auch gelernt, wie man ein Werk schließt und für die weitere berufliche Zukunft der Mitarbeiter sorgt oder dass man in anderen Kulturkreisen wie in Indien völlig andere Rahmenbedingungen zu berücksichtigen hat. So stieg er bei FunderMax und in der Constantia Gruppe auf und verantwortete als eine der letzten großen Entscheidungen vor dem Umstieg noch die Akquisition eines Papierwerks in Trondheim/Norwegen mit, eine hoch erfolgreiche Rückwärtsintegration, die die Marktposition von FunderMax entscheidend verbesserte.

Digitalisierung für Menschen

Bei der TIAG beschäftigt er sich gerade intensiv mit Lean-Management und Digitalisierung. Denn in der Digitalisierung sei Leadership besonders gefragt, weil man die Menschen in solchen Transformationsprozessen mitnehmen müsse. Hier sei intensive Kommunikation und eine integrale Sichtweise nötig: Digitalisierung müsse nach Möglichkeit Kunden, Mitarbeitern, Umwelt und Gesellschaft nützen. Eine wesentliche Rolle spiele dabei auch die Qualifikation. Wenn die Anforderungen des Managements an die Mitarbeiter steigen, dann sei es jedenfalls unfair, die Mitarbeiter nicht entsprechend dafür zu qualifizieren.

In der Diskussion über Kärntens Abwanderungsproblem wurde Haberl schließlich deutlich: Die Frage sollte hier nicht lauten: „Wie verhindern wir den Braindrain junger Menschen?“ sondern: „Was tun wir, damit die Jugendlichen aus anderen Regionen zu uns kommen?“