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Mut zur Veränderung

Erich Dörflinger hat über 46 Jahre die Entwicklung des Elektronik-Werksstandorts Althofen maßgeblich mitgeprägt. Sein Resümee: „Die Menschen sind das Gold des Unternehmens“.

Edgar Jermendy und Erich Dörflinger

Im Oktober, gut einen Monat nach seinem „Pensionsantritt“, stellte sich Ex-General Manager Erich Dörflinger den Fragen der Mitglieder der Jungen Industrie Kärnten Der eigentlich geplante Termin im Frühjahr musste ja wegen des Lock-Down abgesagt werden. So hat er sich sein letztes aktives Berufsjahr wahrscheinlich auch nicht gewünscht – eine globale Pandemie stört die Rohstoff- und Warenströme, internationale Geschäftsreisen sind quasi unmöglich, massive Sicherheitsvorkehrungen für die Gesundheit der Mitarbeiter in den Werken müssen über Nacht hochgefahren werden, und nicht zuletzt: die bis ins letzte Detail geplante 50-Jahr-Feier des Produktionsstandortes Althofen musste wegen Corona abgesagt werden.

Es ist sein Standort Althofen, denn dort begann für Erich Dörflinger eine sagenhafte Industriekarriere mit der Lehre bei Philips. Als ausgelernter Radio- und Fernsehtechniker blieb er im Unternehmen, wurde selbst Ausbilder und machte nebenbei die HTL. Philips gab den Standort auf, aber Dörflinger blieb Althofen und dem Folgeunternehmen treu. Ein enges Team rettet den Standort und damit hunderte Arbeitsplätze. Sein Beitrag dazu war ein beträchtlicher. Ende der 1990er Jahre wird aus dem Standort Althofen ein Teil des globalen Flextronics Konzerns, heute kurz Flex. Er durchläuft unterschiedlichste Abteilungen und Positionen im Unternehmen, ist weltweit auf Achse, um die Auslastung für den Standort zu gewährleisten und gestaltet dabei maßgeblich die Weiterentwicklung des Werks.

Hochvolumige, auf den ersten Blick und kurzfristig attraktive Produktlinien ersetzt Dörflinger strategisch durch speziellere Produkte. Der Standort und seine Mitarbeiter spezialisieren sich, der lukrative Medizintechnikbereich wächst. Nicht erst seit der Corona-Pandemie erweist sich das als strategischer Vorteil. Althofen, das Know-how am Standort und die Qualität der Mitarbeiter sind im Flex-Konzern gefragt. Dörflinger schafft es vor seiner Pensionierung sogar noch, dass das Europa-Headquarter von Flex in Althofen angesiedelt wird. Die langfristige Perspektive für den Kärntner Industrieleitbetrieb ist gesichert. Zufrieden und beruhigt tritt er also aus den operativen Funktionen als General Manager und Vorstandsvorsitzender aller Flex-Europa-Standorte zurück, und nimmt ab nun den Vorsitz im Aufsichtsrat ein.

Great Place to Work
In allen Geschichten und Anekdoten über seine 46-jährige Karriere kommen die Menschen, seine Kollegen und Mitarbeiter vor. Er ist mit ihnen durch Höhen und Tiefen gegangen, hat immer auf sie gezählt. Vor allem hat er für sie immer ein offenes Ohr gehabt und Unterstützung angeboten. „Die Menschen sind das Gold des Unternehmens“, sagt er. Und obwohl es eigentlich immer turbulent zuging, wolle er keinen Moment missen, denn er hat es gemeinsam mit seinen Leuten geschafft, auch die kniffligsten Situationen zu bewältigen. Er war immer bemüht, sich mit den besten Leuten zu umgeben, sie an den bestpassendsten Stellen einzusetzen und exzellente Leistung abzuliefern. Geschafft habe er das auch, weil Mut zur Veränderung und die Bereitschaft, nicht immer bloß den einfachsten Weg zu wählen, ihn und seine Belegschaft beflügelt haben. Lohn der Mühe war kürzlich die Auszeichnung „great place to work“ für den Standort Althofen.

In Punkto Wettbewerbsfähigkeit führe an der weitgehenden Automatisierung eines Werks wie in Althofen kein Weg vorbei. Unkenrufen, dass die Automaten den Menschen die Arbeit wegnehmen, begegnet er pragmatisch: „Wir müssen mit den Menschen haushalten und sie für die intelligentesten Aufgaben einsetzen“. Mit der von Erich Dörflinger eingeschlagenen Richtung ist der Standort Althofen für die Zukunft gut aufgestellt. Ein Industriestern auf Kärntens Himmel leuchtet weiter.