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Es gibt keinen falschen Standpunkt?

Strategieberater Mike Stevens zeigt auf, warum Unternehmensvisionen nicht immer gelebt werden.

JI Veranstaltung mit Mike Stevens

Im März lud die JI Kärnten den Berater Mike Stevens zu einem Vortragsabend der etwas anderen Art. Der seit 2004 in Kärnten lebende Stevens hat sich bereits 1990 selbstständig gemacht, nachdem er erste Karriereschritte beim britischen Militär und im Banken- und Versicherungswesen gemacht hatte. Als Konsulent weist er besondere Expertise im Organisations- und Veränderungsmanagement auf. Außerdem hat er mehrere international beachtete M&A-Aktivitäten im Automotive-Bereich begleitet – und daraus zahlreiche Lehren gezogen.

Was die Besucher der Veranstaltung vorher nicht wussten – anstelle eines reinen Vortrags wurde es ein interaktiver, ja beinahe Work-Shop-Abend. Gleich zum Einstieg ließ Stevens die Zuhörer aktiv werden. „Draw a map of where you are“, lautete die Aufgabe. Nach wenigen kreativen Minuten war klar, dass jeder sich an einer anderen Stelle gezeichnet hat. Denn, so Stevens, die individuelle Interpretation (der Aufgabe) lässt zu, dass man seine eigene Darstellung der individuellen Sichtweise umsetzt. Was das alles mit Unternehmensvision zu tun hat, veranschaulichte er im weiteren Verlauf des Abends.

A vision is about pictures

Strategien und Unternehmensvisionen sind nicht bloß im Top-Management angesiedelt. Sie müssen von den Mitarbeitern auf allen Hierarchieebenen, aber auch den Kunden und übrigen Stakeholdern, verstanden und mitgetragen werden. „Zeichne ein Bild – Menschen denken in Bildern und verinnerlichen diese viel besser“, meint Stevens. Allzu oft sind Unternehmensvisionen komplex und spröde ausformulierte Texte, ja fast „Werbesprüche“, mit denen sich die Mitarbeiter nicht identifizieren können oder wollen. Oder sie werden gar nicht verstanden, was dann zu Missverständnissen und Auslegungsunterschieden führt.

Er sieht die große Aufgabe von Managern bzw. der Unternehmensführung darin, dass die Bilder einer Vision in den Köpfen der Führung mit jenen der Mitarbeiter zusammenpassen. Anzunehmen, dass die Mitarbeiter die Ausrichtung des Unternehmens genau so sehen, wie es die Leitung tut bzw. festgesetzt hat, sei gefährlich. Aus der vermeintlichen Wahrnehmung entstehen nämlich Erwartungshaltungen, und wenn diese nicht erfüllt werden, sind sehr rasch Enttäuschung oder Verbitterung die Folge.