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Die Langsamen werden gestaltet

Infineon-Technologies-Austria-Chefin Sabine Herlitschka denkt nicht nur bei der Großinvestition in Villach in globalen Dimensionen. Sie kämpft für die Schlüsseltechnologien im Bereich der Mikroelektronik in Europa.

Erfolgreiche Kärntner Manager erzählen, Dr. Sabine Herlitschka

Österreichs Parade-Mikroelektronik-Unternehmen Infineon Technologies Austria AG mit seinem Sitz und größten Standort in Villach ist spätestens seit Bekanntgabe der Mega-Investitionen in aller Munde. Das Unternehmen ist der forschungsstärkste heimische Betrieb, gehört zum deutschen Infineon-Konzern in München-Neubiberg und entwickelt bzw. baut mikroelektronische Schaltungen für den Weltmarkt. An der Spitze des Unternehmens steht seit 2014 DI Dr. Sabine Herlitschka. Sie nahm sich Anfang September Zeit für einen exklusiven Vortrag, gerichtet an die Mitglieder der Jungen Industrie Kärnten und aus der Serie „…erfolgreiche Kärntnern Managerinnen erzählen…“

Herlitschka ist zwar keine gebürtige Kärntnerin, als ihre Wahlheimat hat sie das südlichste Bundesland aber jedenfalls schon fest ins Herz geschlossen. Es ist eine ambivalente Beziehung, denn einerseits streicht sie die Chancen hervor, andererseits nimmt sie sich auch bei den noch zu erledigenden Aufgaben kein Blatt vor den Mund. Das betrifft den Standort Kärnten genauso wie Österreich und Europa. Sie hat stets das große Bild vor Augen, denn ihre Branche, die Mikroelektronik, müsse als Schlüsseltechnologie im globalen Kontext betrachtet werden. Nur noch ganz wenige ‚global player‘ der Mikroelektronik würden unternehmerisch von Europa aus gesteuert – Asien und die USA hätten die Oberhand. Da sei es umso wichtiger, diese europäischen Unternehmen wohl zu beachten, um nicht die letzten Bastionen der Forschung und Produktion innerhalb der EU zu verlieren. Deshalb ist Herlitschka auch auf europäischer Ebene in viele Projekte maßgeblich involviert, hat sogar den Vorsitz im Projekt ECSEL 2018 übernommen, um mit gestalten zu können.

Digitalisierung birgt Chancen

Ein besonderes Anliegen ist Sabine Herlitschka die Digitalisierung. Dabei kommt sie immer wieder unweigerlich auf die Chancen zu sprechen, die daraus entstehen können. „Digitalisierung ist die Möglichkeit, mit Technologien die Antworten auf die großen gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit zu geben“, meint sie. Und sie ist überzeugt, dass wir bei vielen Entwicklungen in Sachen Digitalisierung erst am Anfang stehen. Die Potenziale müssen also noch ausgeschöpft werden.

Die Ängste, die vielerorts mit Digitalisierung verbunden sind, nimmt Herlitschka wahr, hält jedoch dagegen, dass Chancen in Vorteile für die Gesellschaft gewandelt werden könnten, wenn es richtig und vor allen rasch angegangen werden würde. „Denn die Langsamen werden gestaltet, die Flotten gestalten“, ist sie gewiss. Und sie hält die Schlagzahl im eigenen Unternehmen auch hoch, denn nicht umsonst konnte der Standort Villach im konzerninternen Wettbewerb den Zuschlag für die 1,6 Milliarden Euro teure Investition erhalten. Herlitschka und ihr Team bewiesen der Konzernspitze gegenüber Überzeugungsgeschick und Mut.

Es stehen noch einige Jahre Bau- und Investitionstätigkeit bevor, ehe in der Draustadt ein riesiger neuer Forschungskomplex fertiggestellt sein wird und die vollautomatisierte 300-mm-Wafer-Produktion läuft. Ganz zu schweigen von den nötigen Infrastrukturmaßnahmen rundherum, vom öffentlichen Nahverkehr, Wohnungen, Bildungseinrichtungen für Familien der internationalen Infineon-Mitarbeiter, etc. Sabine Herlitschka bleibt dran und hält die Fäden in der Hand, um ihren ganz großen Beitrag dazu zu leisten, dass Kärnten endlich weithin sichtbar DAS Technologieland im Süden Österreichs wird.

 

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