JI.Ktn

„Den Titel Generaldirektor hab ich nie gemocht“

Der gebürtige Kärntner Karl-Heinz Strauss ist seit nunmehr 10 Jahren Großaktionär und CEO der österreichischen Traditions-Bauunternehmung PORR. Zu einem besonderen sommerlichen Termin am schönen Wörthersee folgte er nun der Einladung der Jungen Industrie.

Erfolgreiche Manager erzählen mit Karl Heinz Strauss

Unter dem Motto „erfolgreiche Kärntner Manager erzählen …“ veranstaltet die Kärntner JI seit Jahren exklusive Gespräche mit hochrangigen Führungspersonen aus dem bzw. im Bundesland. Auf der Liste der Gesprächspartner war Karl-Heinz Strauss schon länger – im Juli kam der Termin dann im sommerlichen Ambiente des Schlosses Maria Loretto direkt am Wörthersee endlich zustande.

Vielen ist er als Mehrheitseigentümer (im Syndikat mit der Ortner-Gruppe) und CEO der PORR bestens bekannt. Doch Karl-Heinz Strauss war über viele Jahre erfolgreicher Unternehmer, bevor ihn der Ruf in den Porr-Konzern erreichte. Außerdem ist der HTL-Tiefbauabsolvent mit seinem Berufseinstieg als damals Anfang Zwanzigjähriger eher als Bänker denn also Bau-Techniker oder Bau-Manager zu bezeichnen. Den JI-Mitgliedern beschreibt er seinen Werdegang in der Finanzwelt von Confida über die Chase-Manhatten-Bank bis hin zur Genossenschaftlichen Zentralbank, später RZB, in allen Facetten und Details. Manche seiner Anekdoten quittiert er mit einem herzlichen Lächeln oder Augenzwinkern. Erfrischend, wie entspannt der Top-Manager sich und seinen eigenen beruflichen Werdegang teils kritisch beleuchtet. „Da war ich noch zu naiv“, war da unter Anderem zu hören. Seine großen Learnings teilt er ebenso bereitwillig mit den Zuhörern, beispielsweise dass seine Beharrlichkeit, Ideen keinesfalls (zu rasch) aufzugeben, ihn immer zum Erfolg geführt hat. Zwar hat er oft massivem Gegenwind standhalten müssen, am Ende konnte er mit seinen innovativen Ansätzen jedoch überzeugen. Oder die einfache Regel im Business: „was ich nicht verstehe, mache ich nicht“ – eine Weisheit, die ihm kurz vor der großen Finanzkrise 2008 wohl den Kopf als Unternehmer gerettet hat. Seine Firma Strauss & Partner, damals mit rund 150 Mitarbeitern einer der bedeutendsten Projektentwickler und Bauträger, hätte sonst genauso wie andere im Zuge der Krise in massive Turbulenzen geraten können.

Vom Immobilienunternehmer zum Generaldirektor

2010 gab Strauss das Unternehmersein auf und stieg als CEO bei der Porr ein. Er fand ein großes, traditionsreiches Unternehmen mit vielen gewachsenen Besonderheiten und einem ganzen Haufen an Herausforderungen vor. Mit seinem konsequenten Stil und Unbeirrbarkeit in der Verfolgung seiner Ziele und Visionen hat er in weniger als 10 Jahren aus dem Traditionsbetrieb ein voll auf Zukunft gepoltes Hochtechnologie-Bauunternehmen gemacht. Nebenbei ist die Gruppe restrukturiert und transparent geworden sowie massiv gewachsen – der Umsatz ist beinahe verdreifacht, die Mitarbeiterzahl hat sich auf 20.000 verdoppelt. Auf den Lorbeeren des Erfolgs ruht sich der 59-jährige aber sicher nicht aus. In seinen Erzählungen über die Porr kommt Strauss erst richtig in Schwung, wenn er über die Zukunft des Bauens, BIM 4.0, Lean Construction und weitere Pläne und Visionen spricht. Überhaupt ist er nach 10 Jahren im Unternehmen dem Eindruck nach mit Fleisch und Blut „Porrianer“ geworden. Bloß mit dem Titel „Generaldirektor“ kann er sich keinesfalls anfreunden. Zwar hat er diesen mit Eintritt im Konzern offiziell gleich abgeschafft, aber ganz ausradieren konnte Strauss ihn dennoch nicht. Angesichts der 150-jährigen Geschichte des Unternehmens vielleicht aber auch nachvollziehbar.

 

Downloads