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Als Work-Life-Balance noch ein Fremdwort war

Alexander Bouvier erzählt nach fast 40 Jahren von seiner Karriere und Arbeit für die Treibacher Industrie AG – vom Forschungsmitarbeiter zum Vorstand, immer engagiert und mit vollem Einsatz.

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Man kann ihn ohne Weiteres als Fixpunkt am Kärntner Industriehimmel bezeichnen. Seit Jahren Vorstand eines der traditionsreichsten und ältesten Kärntner Industriebetriebe, Vize-Präsident der IV Kärnten, langjähriger Spartenobmann der Industrie in der Wirtschaftskammer, Mitglied der Wirtschaftsombudsstelle. Die Liste ließe sich noch weiterführen. Die Rede ist von DI Dr. Alexander Bouvier, seit beinahe 40 Jahren für die Treibacher Industrie AG tätig, seit 2006 im Vorstand des Unternehmens, das er mit Stolz und Überzeugung als „old economy“ bezeichnet. Mit Ende September verlässt er seinen „Lebensarbeitsplatz“, wo er eine steile Karriere hingelegt und keine Herausforderung gescheut hat. Vor seiner Pensionierung nahm sich Bouvier allerdings noch Zeit für die Mitglieder der JI, um in der Veranstaltungsserie „erfolgreiche Kärntner Manager erzählen …“ über seinen Werdegang, die Treibacher Industrie AG und vor allem seine Erlebnisse und Erfahrungen zu berichten.

Die Chemie in die Wiege gelegt

Eigentlich verwundert es kaum, dass er sich für das Studium der Technischen Chemie entschied. Bereits sein Großvater, sein Vater und dessen Bruder waren Chemiker. Und sie alle waren in Betrieben der chemischen Industrie tätig. Schon während der Studienzeit baute Alexander Bouvier über Praktika Kontakte zu den bekannten Kärntner Chemiefirmen auf. So kam es dann auch zur Doktorandenstelle bzw. Doktorarbeit für die damals noch Treibacher Chemischen Werke und in Folge seinem Einstieg ins Unternehmen – anfangs als Techniker in Forschung und Entwicklung, dann Bereichsleiter, Betriebsleiter und schließlich Vorstand der TIAG. Mit der jahrzehntelangen Karriere im Unternehmen und so vielen unterschiedlichen Aufgaben und Positionen kenne er quasi jedes Detail, jeden Winkel im Unternehmen, meint Bouvier. Und mit einem Schmunzeln fügt er hinzu, dass manch ein Mitarbeiter ihm das wohl auch ankreide, denn er mische sich selbst bei den kleinsten Details noch ein. Nachdem er aber alles von der Pike auf selbst erlebt und gelernt hat, sind seine Einmischungen sicherlich berechtigt und vor allem konstruktiv. Überhaupt ist der Firmenchef und engagierte Interessensvertreter ein kritischer Geist, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Er erlaube sich, Kritik zu äußern, dort wo sie angebracht sei – das aber bloß, weil er sich auch aktiv einbringe und mitarbeite, um Missstände zu beseitigen, meint Bouvier. Nur am Spielfeldrand zu stehen und zu kritisieren, selbst aber nicht bereit zu sein, sich zu engagieren, ist sicher nicht sein Ding. Genau so wenig ist Bouvier für pauschale Vorverurteilungen zu haben. Immer wieder habe er moniert, dass ein allgemeines Schimpfen auf die Verwaltung und Beamtenschaft nichts bringe, dass unternehmenshemmende öffentliche Administration dadurch nicht beseitigt werden würde. Deshalb werde er sich auch über die Pensionierung hinaus weiter in der Wirtschaftsombudsstelle ehrenamtlich engagieren, um konkrete Missstände mit konstruktiven Lösungs- und Vermittlungsansätzen zu beheben.

Wie man die Karriereleiter so hoch hinauf kommt

Natürlich wollen die JI-Mitglieder wissen, wie er es in den Jahren so weit gebracht hat. Das Rezept klingt dabei so simpel wie auch anstrengend. Er habe immer alle Aufgaben im Unternehmen, auch wenn diese noch so unattraktiv waren, angenommen. Seinen Mitarbeitern gegenüber lebte er vor, ihnen bloß jene Dinge abzuverlangen, die er selbst auch zu leisten bereit war. Er habe immer großartige Mentoren gehabt und vor allem unterstützte ihn seine Familie, insbesondere seine Frau, während dieser einzigartigen Karriere im Treibacher Industrie-Paradebetrieb. Mit dem Trend zur Work-Life-Balance habe sich da sicherlich einiges verändert.