JI.Bund

Junge Industrie fordert mehr Ganztagsangebote bei Kinderbetreuung, weniger Schließzeiten im Sommer

Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Österreich verbessern – Veraltete Rollenbilder überwinden – Diskussion mit BM Aschbacher

Beruf und Familie Sujet IV

„Die Entscheidung für Kinder sollte nicht zu stark von Erwägungen wie der Sorge um fehlende Betreuungsangebote oder finanzielle bzw. karrieretechnische Einbußen in der Karenz abhängen. Dies ist in Österreich für viele junge Menschen leider der Fall“, so der Bundesvorsitzende der Jungen Industrie (JI), Andreas Wimmer. Neben einem Ausbau ganztägiger Betreuungsangebote brauche es daher auch weitere Maßnahmen, um die finanzielle Belastung für Familien zu mildern. Vor allem Frauen seien hier betroffen – sowohl niedrigere Einkommen als auch Pensionen von Frauen seien zu einem Teil auf Karenz- bzw. Kindererziehungszeiten zurückzuführen. „Die neue Bundesregierung hatte hier bereits einige Maßnahmen angekündigt, wie etwa ein automatisches Pensionssplitting. Wir hoffen, dass nach Bewältigung der akutesten Auswirkungen der aktuellen Krise auch diese Themen wieder stärker auf die Tagesordnung kommen“, so Wimmer. Gefordert sei aber nicht nur die Politik, sondern „auch wir als Unternehmer bzw. Führungskräfte müssen aktiv daran arbeiten, veraltete Rollenbilder zu überwinden“, wie Wimmer betonte. Die Forderungen der JI zum Thema Vereinbarkeit habe man gestern, Montag, im Rahmen einer Sitzung des JI-Bundesvorstandes auch mit Bundesministerin Christine Aschbacher diskutiert, die dabei betonte: „Mir ist es ein Anliegen, dass Familien echte Wahlfreiheit haben. Aktuell gibt es eine bestehende 15a-Vereinbarung mit den Ländern zum Ausbau der Kinderbetreuung. Bis 2021/22 stehen 180 Millionen Euro pro Jahr für den Ausbau zur Verfügung.“

Griller: Einbußen bei Karriere und Einkommen besser abmildern

In einer Umfrage unter den Mitgliedern der Jungen Industrie hatten 81 Prozent angegeben, dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde seitens der Politik zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Fast 72 Prozent sehen dasselbe Problem allerdings auch in den Unternehmen. „Wir werden uns auch in unseren Unternehmen überlegen müssen, was wir hier verbessern können. Allerdings muss die Politik den Unternehmen auch Gestaltungspielraum lassen, um die von den Eltern gewünschte Flexibilität zu gewährleisten“, wie Nikolaus Griller, JI-Wien Vorsitzender und Leiter der JI-Task Force „Vereinbarkeit Familie und Beruf“, betonte. Zu überlegen seien weitere Maßnahmen, um Einbußen bei Karriere und Einkommen durch die Entscheidung für Kinder möglichst abzumildern. Möglichkeiten gäbe es mehrere, so Griller: „Steuerliche Entlastungen, Formen der Familienbesteuerung oder auch eine Verbesserung bei der Anrechnung zur Pension – wir sollten alle Optionen diskutieren und uns auch best practice Beispiele im internationalen Umfeld anschauen.“

Wenig Diskussionsbedarf gebe es hingegen bei der Kinderbetreuung. So zeige auch die Umfrage der JI, dass das Fehlen von adäquaten Betreuungs- und Bildungsangeboten vor allem (aber nicht nur) im ländlichen Bereich eines der größten Hindernisse bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei. „Qualitativ hochwertige, ganztägige und leistbare Angebote bei Krippen, Kindergärten oder Volksschulen müssen flächendeckend zur Verfügung stehen“, wie Griller forderte. Auch die langen Schließzeiten im Sommer seien eine Herausforderung für berufstätige Eltern. „Dies alles zu verbessern wird natürlich einiges kosten, aber gerade in die Zukunft der Familien sollten wir investieren. Österreich sollte sich zum Ziel setzen, das familienfreundlichste Land zu werden“, so Griller.